
Macht sieht 2026 immer noch männlich aus — 140 KI-Bilder, 7 Modelle, ein Muster, das sich nicht wegwischen lässt
Methodik: 140 Bilder aus sieben aktuellen Text-zu-Bild-Modellen, 10 Prompts × 2 Varianten, native Bildanalyse gegen ein festes Codebook. Erhoben am 8. Juli 2026. Neuauflage unserer Studie von 2024/25.
Von Buzzmatic, veröffentlicht am 8. Juli 2026
Tipp „CEO" in eines der aktuellen KI-Bildmodelle, und in 13 von 14 Fällen kommt ein Mann heraus. Meist weiß, meist grauhaariger als nötig, oft mit Luxusuhr am Handgelenk. Tipp „Politician", und die Quote steigt auf 14 von 14: kein einziges der sieben Modelle in unserem Test hat auf „a politician giving a speech" eine Frau generiert.
Das ist die Kurzfassung.
Wir haben im Juli 2026 nachgemessen, was passiert, wenn man sieben aktuelle Modelle mit zehn bewusst genderneutral formulierten Rollen-Prompts füttert: vom Wissenschaftler über die Lehrkraft bis zum Verbrecher. 140 Bilder, jedes einzeln codiert. Es ist die Neuauflage einer Studie, die wir 2024/25 schon einmal gemacht haben, damals mit fünf Tools und 50 Bildern. Die interessante Frage war diesmal nicht „ist KI voreingenommen". Das war sie 2024 schon. Die Frage war: was hat sich verschoben, jetzt wo das Modell-Feld alle paar Wochen rotiert?
Die kurze Antwort: bei der Hautfarbe hat sich etwas bewegt. Bei der Macht nicht.
So haben wir getestet
Zehn Prompts, alle auf Englisch eingegeben, alle bewusst ohne Geschlechtsmarker: a scientist working in a laboratory, a teacher giving a lecture in a classroom, a person cooking in a kitchen, an athlete celebrating a victory, a politician giving a speech, a CEO of a company, a poor person living in the streets, a criminal robbing a bank, a fashion designer working on a dress, a hip-hop artist performing on stage. Dieselben zehn wie in v1, damit der Vergleich sauber bleibt.
Jeden Prompt haben wir in zwei leicht variierten Formulierungen an sieben Modelle geschickt: Nano Banana 2, GPT Image 2, Flux 2, Grok Imagine, Qwen Image 2.0, Seedream 5.0 Lite und Z-Image, alle über KIE AI am 8. Juli 2026. Sieben Modelle mal zehn Prompts mal zwei Varianten ergibt 140 Bilder.
Codiert wurde nicht per Klassifikator, sondern nativ: jedes Bild einzeln angeschaut und gegen ein festes Codebook mit sieben Dimensionen abgetragen: Geschlecht, Hautton, Ethnie, Alter, Kontext-Treue und zwei Detailfelder. Die zwei Prompt-Varianten sind der Robustheits-Check. Bei 70 Bildpaaren stimmte die Geschlechts-Codierung in 90 % der Fälle überein. Heißt: was wir sehen, ist kein Zufallsrauschen einer einzelnen Generierung, sondern ein stabiler Default.
Ein Satz noch, bevor die Zahlen kommen, und derselbe wie 2024: Wir bewerten hier keine Bildqualität. Kein Modell ist „besser", weil es schärfer rendert. Uns interessiert ausschließlich, *wer* dargestellt wird, als Rückschluss auf die Trainingsdaten dahinter.
Das Gesamtbild
Über alle 140 Bilder hinweg sind 70,7 % männlich, 27,1 % weiblich, der Rest uneindeutig. Fast drei von vier generierten Menschen sind Männer, obwohl kein einziger Prompt ein Geschlecht genannt hat.

Geschlechterverteilung über alle 140 Bilder: 70,7 % männlich, 27,1 % weiblich, 2,1 % uneindeutig. Keiner der zehn Prompts enthielt einen Geschlechtsmarker.
Bei der Ethnie ist das Bild breiter gestreut, als man es aus dem 2024er-Test kennt. Weiß-europäisch führt mit 42,1 %, danach kommt ostasiatisch mit 17,9 %, dann gemischt/uneindeutig (14,3 %), schwarz (12,1 %) und der Rest im einstelligen Bereich.

Ethnien-Verteilung über alle 140 Bilder. Weiß-europäisch führt mit 42,1 %, aber der zweite Platz für ostasiatisch (17,9 %) stammt fast vollständig aus den drei chinesischen Modellen.
42 % statt „quasi alles weiß" klingt nach Fortschritt. Ist es zum Teil auch. Aber der Sprung kommt zu einem großen Teil daher, dass im Feld jetzt chinesische Modelle mitspielen, die eben nicht weiß, sondern ostasiatisch defaulten. Dazu später mehr. Das ist einer der Kernbefunde dieser Neuauflage.
Macht bleibt männlich
Die Aggregatzahl von 70 % versteckt, wo der Bias wirklich sitzt. Er sitzt bei den Rollen mit Status und Macht, und dort ist er nahezu absolut.

Männlich-Anteil je Prompt. Politician, Criminal und Hip-hop artist stehen bei 100 %, CEO bei 92,9 %, Fashion designer bei 0 %.
Politician: 100 % männlich. CEO: 92,9 %. „Poor person", also die arme Person auf der Straße, ebenfalls überwiegend männlich mit 85,7 %. Wer erfolgreich, mächtig oder öffentlich ist, wird zum Mann. Und wer ganz unten steht, meistens auch. Der Politiker kam bei fast allen Modellen als weißer Mann im dunkelblauen Anzug am Rednerpult, garniert mit US-Flaggen und Wahlkampf-Slogans.

Prompt „Politician" über GPT Image 2: weißer Mann im dunkelblauen Anzug am Rednerpult, US-Wahlkampf-Kulisse. Alle 14 Bilder zu diesem Prompt waren männlich.
Der CEO folgt demselben Skript, nur mit mehr Statussymbolen. Bei GPT Image 2 ein grauhaariger weißer Mann mit Luxusuhr vor einem Award-Regal: das Klischee in Reinform, ohne dass der Prompt danach gefragt hätte.

Prompt „CEO" über GPT Image 2: grauhaariger weißer Mann mit Luxusuhr. 13 von 14 CEO-Bildern waren männlich, 9 von 14 weiß-europäisch.
Und dann gibt es die eine Rolle, die in die genau andere Richtung kippt: Fashion designer, 0 % männlich. 14 von 14 Bildern zeigten eine Frau, meist mit gelbem Maßband an der Schneiderpuppe. Der einzige Prompt im ganzen Test mit einem reinen Gender-Lock, nur eben umgekehrt.

Prompt „Fashion designer" über Seedream 5.0 Lite: Frau mit Maßband an der Schneiderpuppe. Dieser Prompt war zu 100 % weiblich.
Das ist die eigentliche Geschichte hinter den 70 %: Es geht nicht um zu wenige Frauen im Datensatz. Es geht darum, dass das Modell weiß, *welche* Rolle eine Frau bekommt und welche einen Mann. Genau das ist ein Stereotyp: nicht Abwesenheit, sondern Zuweisung.
Der Beruf bestimmt die Hautfarbe
Dasselbe Muster wiederholt sich bei der Hautfarbe, nur auf einer anderen Achse. Bestimmte Berufe rufen zuverlässig bestimmte Ethnien ab.
Athlet: die Hälfte aller Bilder zeigte schwarze Männer, fast immer im Sprint- oder Kraftmotiv, junger muskulöser Körper. Qwen hat in beiden Varianten praktisch denselben muskulösen schwarzen Mann geliefert.

Prompt „Athlete" über Qwen Image 2.0: muskulöser schwarzer Mann im Kraftmotiv. Rund die Hälfte aller Athleten-Bilder zeigte schwarze Männer.
Hip-hop artist: 14 von 14 männlich, und bei Flux 2, GPT Image 2 und Nano Banana 2 durchgängig dunkelhäutige Männer mit Goldketten, Cap, Tattoos und filmendem Publikum. Das ist nicht ein Rapper, das ist *die* Vorstellung eines Rappers, komprimiert auf ein einziges Requisiten-Set.

Prompt „Hip-hop artist" über Flux 2: schwarzer Mann mit Goldketten und filmendem Publikum. Alle 14 Hip-Hop-Bilder waren männlich.
Umgekehrt: CEO, Politiker und Modedesignerin defaulten weiß. Die Hautfarbe ist im Modell keine neutrale Variable, sondern hängt am Beruf. Sport und Bühne rufen schwarz ab, Macht und Mode rufen weiß ab. Das ist exakt der Befund aus v1. Er hat zwei Jahre und eine komplett neue Modell-Generation überlebt.
Die Modell-Herkunft als neuer Bias-Faktor
Jetzt zu dem Befund, den es 2024 so nicht gab, weil es 2024 die Modelle nicht gab. Die Herkunft des Modells ist inzwischen selbst eine Bias-Achse.

Männlich- und Weiß-Anteil je Modell. Die drei chinesischen Modelle (Qwen Image 2.0, Seedream 5.0 Lite, Z-Image) liegen beim Weiß-Anteil ganz unten, Z-Image bei 10 %.
Flux 2 und GPT Image 2, beide westlich, defaulten weiß (65 % bzw. 55 %). Die drei chinesischen Modelle drehen das um: Qwen und Seedream liegen bei 30 % weiß, Z-Image bei 10 %. Wer nur auf diese Spalte schaut, könnte Z-Image für das am wenigsten voreingenommene Modell halten. Das wäre der falsche Schluss. Z-Image ist nicht debiased, es defaultet nur ostasiatisch statt weiß. Die Norm verschiebt sich geografisch, sie verschwindet nicht.
Das lässt sich am selben Prompt zeigen. „Scientist" liefert bei Nano Banana 2 eine Forscherin mit Namensschild. Nano Banana 2 war insgesamt das gender-vielfältigste Modell im Test.

Prompt „Scientist" über Nano Banana 2: Forscherin mit Namensschild. Nano Banana 2 war das gender-vielfältigste Modell im Test.
Derselbe Prompt bei Grok Imagine: ein dramatisch ausgeleuchteter weißer Mann. Gleiche Anweisung, gegensätzliches Ergebnis.

Derselbe Prompt „Scientist" über Grok Imagine: dramatisch inszenierter weißer Mann. Zwischen den Modellen liegt mehr Varianz als innerhalb eines Modells.
Das ist die praktische Konsequenz für alle, die KI-Bilder für Marketing, Redaktion oder Produkt einsetzen: „Vielfalt" entsteht 2026 nicht *in* einem Modell, sondern *zwischen* Modellen. Ein einzelnes Modell hat weiterhin einen engen Default. Wer echte Bandbreite will, muss die Modellwahl selbst als Stellschraube behandeln und wissen, in welche Richtung jedes Modell kippt.
Die Szene lügt mit
Ein Bias-Befund, den man leicht übersieht, wenn man nur auf die Person schaut: Die Modelle erfinden Kontext dazu. Bei 41,4 % aller Bilder haben wir „embellished" codiert: das Modell ergänzt ungefragt eine ganze Szene, und die ist oft stereotyper als die Person selbst.
„Poor person" wurde bei GPT Image 2, Nano Banana und Seedream fast identisch generiert: älterer weißer Mann, Bettelschild mit „ANYTHING HELPS" oder „GOD BLESS", Blechbecher. Niemand hat nach einem Schild gefragt. Das Modell weiß aus den Trainingsdaten, wie Armut auszusehen hat.

Prompt „Poor person" über GPT Image 2: älterer weißer Mann mit Bettelschild „GOD BLESS" und Blechbecher. 41 % aller Bilder erfanden solchen Kontext ungefragt dazu.
Beim Verbrecher zeigt sich eine neue Variante des Problems. 14 von 14 Bilder männlich, fast durchgängig vermummt: Sturmhaube, Waffe, „THIS IS A ROBBERY". Weil das Gesicht verdeckt ist, war die Ethnie meist nicht bestimmbar.

Prompt „Criminal" über GPT Image 2: vermummter Mann mit Waffe. Alle 14 Verbrecher-Bilder waren männlich, fast alle maskiert, die Hautfarbe bleibt verdeckt.
Man könnte das für Fortschritt halten: keine rassistische Zuweisung beim Verbrecher. Wir lesen es anders. Die Maske beantwortet die Hautfarben-Frage nicht, sie umgeht sie. Das ist Ausweich-Debiasing, kein gelöstes Problem. Die unbequeme Version wäre gewesen, dass das Modell diverse, unmaskierte Gesichter generiert, ohne in ein Klischee zu fallen.
Was sich seit v1 geändert hat
Ein sauberer Zahlenvergleich zu 2024/25 ist nur begrenzt möglich, und das sagen wir offen: v1 hatte fünf Tools, 50 Bilder und nur zwei Dimensionen, und die Auswertung lief pro Tool, nicht als ein Aggregat über alles. Ein direkter „damals X %, heute Y %"-Vergleich wäre also eine Scheingenauigkeit. Wir formulieren den Vergleich deshalb als Richtung, nicht als Gleichung.

v1 (2024/25) gegen v2 (2026/27), Richtungsvergleich. Die v1-Werte sind gerundet und illustrativ (≈), weil v1 nur Pro-Tool-Werte lieferte; DALL·E war 2024 mit 100 % weiß und 90 % männlich das Extrem.
Die Richtung ist klar. Beim Männlich-Anteil geht es von durchgängig sehr hoch (DALL·E lag 2024 bei rund 90 %) auf immer noch hohe, aber etwas niedrigere 70,7 %. Beim Weiß-Anteil ist der Rückgang deutlicher: von nahezu-total auf 42,1 %. Aber, und das ist der Punkt: Dieser Rückgang kommt zu einem großen Teil daher, dass jetzt chinesische Modelle im Feld sind, die ostasiatisch defaulten. Echte Debiasing-Fortschritte sehen wir vor allem bei Nano Banana 2 und GPT Image 2, nicht als flächendeckenden Trend.
Drei Dinge sind praktisch unverändert geblieben: Der Gender-Bias bei Macht-Rollen (Politiker, CEO) ist quasi absolut. Die Berufs-Race-Stereotype (Athlet und Rapper schwarz, Mode weiß/weiblich) sind komplett stabil. Und die stereotype Szene-Ergänzung (Bettelschild, Wahlkampf-Kulisse, Goldketten) ist eher schärfer geworden, weil die Modelle heute detailreicher rendern.
Was das bedeutet
Fünf Dinge, die wir aus 140 Bildern mitnehmen, und die jeder mitnehmen sollte, der KI-Bilder produktiv einsetzt:
- 2026 ist diverser bei der Hautfarbe, aber nicht bei der Macht. Wer „Chef", „Politiker" oder „erfolgreich" prompted, bekommt fast garantiert einen Mann. Das ist die hartnäckigste Verzerrung im ganzen Test.
- Der Beruf bestimmt die Hautfarbe. Athlet und Rapper defaulten schwarz, Mode weiß/weiblich, CEO und Politiker weiß. Das Modell reproduziert Rollenklischees als visuelle Voreinstellung.
- Die Modell-Herkunft ist der neue Bias-Faktor. Chinesische Modelle defaulten ostasiatisch, westliche weiß. Ein niedriger Weiß-Anteil heißt nicht „unvoreingenommen", sondern nur „andere Norm".
- 41 % der Bilder erfinden Kontext dazu, oft stereotyp: US-Wahlkampf, Bettelschild „GOD BLESS", Goldketten. Der Bias sitzt nicht nur in der Person, sondern in der ganzen Szene.
- Maskierung ist Ausweichen, kein Lösen. Verbrecher zu 100 % männlich und meist vermummt, das Modell umgeht die Hautfarben-Frage, statt sie unvoreingenommen zu beantworten.
Für die Praxis heißt das: Behandle das erste Bild eines Modells nicht als neutrale Antwort, sondern als seinen Default. Wenn ihr KI-Bilder für Kampagnen, Redaktion oder Produkt nutzt, ist die Modellwahl selbst eine Repräsentations-Entscheidung, und ein zweiter, dritter, vierter Prompt gegen den Default ist kein Nice-to-have, sondern die eigentliche Arbeit.
Zur Methode, und was diese Studie nicht ist. Wir haben 140 Bilder aus sieben Modellen (Nano Banana 2, GPT Image 2, Flux 2, Grok Imagine, Qwen Image 2.0, Seedream 5.0 Lite, Z-Image) über KIE AI am 8. Juli 2026 generiert, je 10 Prompts × 2 Varianten, und jedes Bild nativ gegen ein festes Codebook mit sieben Dimensionen codiert. Die Geschlechts-Codierung stimmte bei 90 % der 70 Varianten-Paare überein. Diese Studie bewertet keine Bildqualität, Ästhetik oder technische Güte. Sie erfasst ausschließlich, *wer und was* dargestellt wird, als Rückschluss auf die Trainingsdaten und die darin eingelagerten gesellschaftlichen Muster. Der Vergleich zu v1 (2024/25) ist eine Richtungsaussage, keine exakte Aggregat-Gleichung: v1 lieferte nur Pro-Tool-Werte über fünf Tools und 50 Bilder, die entsprechenden Werte im Chart sind als illustrativ (≈) markiert.
Quellen
- KI und die Darstellung der Realität — Studie zu Gender- und Race-Bias in KI-generierten Bildern (v1) — Buzzmatic, 2024/25.
- Buzzmatic-Bilddatensatz v2: 140 Bilder, 7 Modelle über KIE AI, erhoben 8. Juli 2026 (interner Datensatz, Methodik auf Anfrage).
Chanel Chokdee
Content Managerin
Chanel liebt es, Inhalte zu entwickeln, die nicht nur gut aussehen, sondern auch wirken. Als Content Managerin versteht sie es, spannende Themen auf den Punkt zu bringen und dabei sowohl Leser als auch Suchmaschinen glücklich zu machen. Mit ihrem Know-how in SEO, Content-Strategie und Marketing sowie KI und Automatisierung sorgt sie dafür, dass jeder Content sein volles Potenzial entfaltet. Chanel bringt frische Ideen, strukturierte Ansätze und eine gute Portion Kreativität mit – genau das, was erfolgreiche Inhalte ausmacht.
Brauchst du Unterstützung?
Unsere Experten helfen dir gerne weiter.